ocelot in Berlin

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Seit einem Jahr schnurrt es in der Brunnenstraße, denn dort hat eine besondere Katze ihren Platz gefunden. In der Wildnis heißt sie Ozelot, in der europäischen Großstadt verzichtet sie auf die Großschreibung und auf das z, nennt sich ocelot. In Mittel- und Südamerika jagt sie vorwiegend Nagetiere und Kleinsäuger, in Berlin bevorzugt sie Bücher. Deshalb schmückt sich ocelot auch mit einem Zusatz: not just another bookstore. Das klingt nach einem Märchen und in gewisser Weise ist es das auch. ocelot, not just another bookstore ist ein inspirierender und herzlicher Ort, den ich jetzt kennengelernt habe und ja – ich habe es tatsächlich gehört, das glückliche Schnurren, und viele schöne Dinge gesehen, von denen ich euch berichten möchte.

Samstagabend, 8. Juni. Vor der Buchhandlung sitzen Freunde und Fans des Ladens, halten Gläser in den Händen und plaudern. Heute ist ein besonderer Tag, denn ocelot, not just another bookstore feiert seinen ersten Geburtstag. Ab und an rattert eine Tram vorbei und zerfetzt für den Bruchteil einer Sekunde die Gespräche. Vom Park weht der Wind Trommelschläge hinüber, aus dem Bauch der Buchhandlung kommen groovige Beats, die Sir Q Late von Golden Age auf seinem Plattenteller auflegt. Am linken Schaufenster tanzen bunte Tasten und verkündigen: ein jahr alt und kann schon lesen. Ich grinse, nippe an meinem Sektglas und gehe hinein in den Laden.

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Auf dem ersten Blick sieht ocelot, not just another bookstore eher aus wie ein Café und nicht wie eine Buchhandlung. So empfängt mich zunächst eine Glasvitrine mit kleinen Snacks, während im Hintergrund die Kaffeemaschine köstlichen Duft verströmt. Links davon erstreckt sich eine lange Reihe mit Bänken und Tischen, die eine Linie ergeben. Wenn man dort sitzt, kann man bestens in den 265 Quadratmeter großen Laden schauen oder das Treiben draußen beobachten. Aber auch zum Lesen bietet sich dieser Platz ideal an. Kaffeetrinken und Lesen – kann es Schöneres geben? Dann beim genauen Blick entdecke ich sie – die vielen bunten Buchrücken und -cover, die mich anlächeln.

Hier hat jemand etwas ganz Besonderes geschaffen, hier stecken viel Herzblut und Leidenschaft drin, jeder Winkel ist klug durchdacht, jedes i-Tüpfelchen sitzt an der richtigen Stelle. Das sind die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schießen. „Mir war klar, wenn ich es mache, dann mache ich es richtig. Schon aus verschiedenen Gründen, weil es potenziell die Möglichkeit hat, dass es erfolgreich wird, und ich es so viel spannender finde als nur einen kleinen Laden aufzumachen“, sagt der Ladeninhaber Frithjof Klepp und zeigt mir links an der Kasse ein kleines eingerahmtes Foto, auf dem das Konzert-Café Roland abgelichtet ist, ein Gruß aus der Vergangenheit.

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Vor knapp zwei Jahren eröffnete der Buchhändler in der Brunnenstraße ocelot, not just another bookstore. Seitdem ist einiges passiert, aber am Ziel angekommen ist er mit seinem fünfköpfigen Team noch lange nicht. „Ich habe wahnsinnig große Lust, man kann an tausend Schrauben drehen und man hat viele Möglichkeiten“, erzählt er. Das gefällt den Autoren und die Verlage sind auch begeistert. So schmiedet der Buchhändler euphorisch weitere spannende Pläne.

Im Ladennamen steckt „not just another bookstore“. Ein Versprechen, das eingehalten wurde, sowohl im Bücherangebot als auch in der Einrichtung. Dieser Laden fällt auf, er ist erfrischend anders. Das moderne Design spricht mich sofort an. Der weiße kühle Boden bietet einen angenehmen Kontrast zum dunklen, Gemütlichkeit verströmenden Holz der Regale. An der unverputzten Decke hängen schwarzen Strahler, die ein warmes Licht erzeugen.

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Ich lasse mich durch den freundlichen, weitläufigen Laden treiben und genieße bewusst jeden einzelnen Schritt. Vereinzelt stehen Leute vor den Regalen und blättern in Büchern. Die Atmosphäre ist wunderschön, dass ich sie am liebsten aufs Papier malen möchte. Meine Augen wandern aufmerksam durch den hellen großzügigen Raum, flattern wie Schmetterlinge hin und her. Voller Entzücken lächle ich über die ungewöhnlichen Regalbeschriftungen: Lila Nashörner, Kinder- und Jugendbücher, Was ist Kunst? Kunst und Künstliches, Sequenzen, Comics. Graphic Novels – stehen über den Regalen. „Die Abteilungen sollten anders heißen. Dann haben wir uns ziemlich schnell gesagt, wir holen uns einen zusammenfassenden Begriff, der das beschreibt, und dann darunter noch mal klarer, was es ist. Wir wollen nicht verrätseln“, berichtet Frithjof.

Zwischen den Regalen hängen Bilder, Fotos oder Zeichnungen. In der Ladenmitte liegen auf weißen Holztresen schöne, exklusive Bildbände. „Die Lage des Ladens fordert eine gute Auswahl an Kunst- und guten Bildbänden“, erzählt Maria-Christina Piwowarski. Doch das Grundgerüst, auf dem der Laden fuße, sei die Belletristik. „Wir haben eine gute belletristische Auswahl“, sagt die Buchhändlerin. Das kann ich nur bestätigen. Neben bekannten Autoren wie David Mitchell oder Haruki Murakami entdecke ich eine Vielzahl von mir bislang unbekannten Verlagen. Auch einzelne Bestseller wie „Shades of Grey“ stehen im Regal. „Wir stellen nicht nur eine Auswahl an Büchern, die wir alle toll finden“, sagt Maria-Christina. Exakt diese Mischung zeichnet die Belletristik bei ocelot, not just another bookstore aus.

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Hochwertige Titel wie die Kein & Aber Gesamtausgabe von Truman Capote oder das riesige Taschen-Buch DC Comics sind in einer Glasvitrine sicher verschlossen. Lieblinge, Schätze zum Teilen steht oben drüber. Eine großartige Schatzschatulle zum Bestaunen und Wunschzettelfüllen. Gemütliche Sitznischen verführen an verschiedenen Stellen, sich hinzusetzen und in die Bücher hineinzulesen. Von der Kinderbuchecke aus kann ich direkt in den Innenhof schauen und entdecke den Eingang zur Bibliothek. „Mit der Bibliothek nebenan ist das ein total befruchtendes Klima“, erzählt Maria, „die Mitarbeiter kaufen sich morgens bei uns einen Kaffee. Leute, die ein vergriffenes Buch haben wollen, schicken wir rüber. Umgekehrt schicken sie uns ihre Leute, wenn die ein Buch verschusselt haben.“

Besondere Zeitschriften wie „Missy“, „zenith“ oder das jüdische Magazin „Aufbau“ zählen genauso zur Angebotspalette wie DVDs, Hörbücher und hochwertige Kochbücher. Im Bereich der englischen Bücher sehe ich auch zauberhafte Kinderbücher wie „The red shoes“. Besonders gut sortiert ist die Sachbuch-Abteilung, die Frithjof persönlich sehr wichtig ist: „Ich war mir sicher, dass es hier im Umfeld genügend Leute gibt, die sie sich dafür interessieren“, sagt der Inhaber. Wer mag, findet gerade aus den Bereichen Geisteswissenschaften, Geschichte und Politik, kritische politische Literatur und Philosophie eine große Auswahl.

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Freunde von Graphic Novels werden hier ebenfalls fündig. Auch die kleinen Leser haben hier ihr Reich und eine berühmte Schutzpatronin: Astrid Lindgren blickt von einem Poster direkt in das liebevoll gestaltete kleine Kinder- und Jugendbuchreich. Ich lasse mich auf die weiche kleine Sitzecke fallen, lehne mich an die grauen Kissen und blättere in den drei Büchern, die mir Maria auf meine Anfrage hin mit großer Begeisterung empfohlen hat.

Ich schlage „Die Manon Leseaut von Turdej“ auf und lese die ersten Zeilen. Gerade, als ich mich weiter darin vertiefen möchte, raschelt das Mikrofon und Frithjof kündigt die Lesung mit Rabea Edel an. Das Tisch-Bank-Arrangement am Eingang hat sich in eine kleine Zuschauerreihe verwandelt, die Gäste sitzen bereits auf den Bänken und warten. Draußen rattert wieder die Tram vorbei, als Frithjof seine persönliche Rede beginnt. Menschen schauen neugierig durch die Fenster, die Trommeln im Park wummern immer noch, doch an diesem Ort schwebt eine besondere Stille, während kurze Zeit später die Autorin ihr Buch aufklappt und den ersten Satz aus ihrem Roman „Ein dunkler Moment“ vorliest. Zwischen die Sätze mischen sich plötzlich zarte Vibrationen und ich weiß, die Wildkatze ist glücklich, genau wie ich.

(Bericht von Simone Finkenwirth, Buchhändlerin und Bloggerin bei Klappentexterin)

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Brunnenstr. 181
10119 Berlin

ocelot im Netz
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Hundt Hammer Stein in Berlin

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„Ich möchte vor dem Literaturgott im Himmel auf die Knie gehen und ihm für jeden, aber für jeden verdammten Satz danken“, sagt Kurt von Hammerstein, wenn man ihn nach einem seiner liebsten Bücher fragt. 2666 von Roberto Bolaño ist so eins von vielen, die man in seiner Buchhandlung Hundt Hammer Stein in der Alten Schönhauser Straße findet. Sobald man im Souterrain angekommen ist, der eine Fuß noch halb auf der Treppe schwebend, spürt man schon, dass einem hier etwas Besonderes erwartet. Ein Gesandter vom Literaturgott persönlich ist hier am Werke.

Zuerst begrüßen mich auffällige Karten mit künstlerischen Berlinmotiven und die lustigen Joker Spruchkarten. Links von ihnen erstreckt sich ein wahres Paradies für alle Fans von englischsprachiger Literatur. Darauf legt Kurt von Hammerstein großen Wert, weil etliche Kunden in die Buchhandlung kommen, die englische Bücher kaufen. Aber auch viele Touristen tauchen hier ein. Ganze vier Regale sind mit englischen Titeln gefüllt. Selbst den kleinen Lesern erwartet ein kleines Paradies with english books. Auf der gegenüberliegenden Seite werden alle Liebhaber von feinster Literatur ebenfalls fündig. „Wir setzen nicht auf Bestseller“, sagt der Ladeninhaber. Er wählt mit Absicht keine Spitzentitel der Verlage aus. Stephenie Meyer hätten sie auch da, eins zwei Titel, mehr jedoch nicht. Die Kunden schätzen die Buchhandlung gerade wegen ihrer speziellen Auswahl. Hundt Hammer Stein pflegt eben einen gewissen Standard. Immer schon. Daran gibt es nichts zu rütteln, selbst die Vertreter von großen Publikumsverlagen können es manchmal nicht glauben, wenn der Buchhändler ausgerechnet die Titel aussucht, auf die der Verlag keinen Schwerpunkt setzt. “Das kann man doch nicht machen!” höre ich manchen Vertreter sagen. Doch das kann er. Sehr gut sogar, einige Jahre schon. Seit 2004 ist die Alte Schönhauser Straße durch einen besonderen Laden schöner geworden.

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Entstanden ist die Idee beinah zufällig. Nach einem abgebrochenen Literaturstudium hatte Kurt von Hammerstein sich zunächst auf Online Education spezialisiert. Er wollte bald jedoch was Eigenes auf die Beine stellen. Eine Kneipe schwebte ihm da vor Augen. Eine Freundin hatte dagegen eine viel bessere Idee: „Lass uns eine Buchhandlung eröffnen!“ Gesagt, getan. Also sind die beiden erst einmal zum Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegangen. Dort haben sie sich eine Übersicht von allen Buchhandlungen Berlins geholt, eine Berlin-Karte ausgebreitet und mit Nadeln die Flächen abgesteckt, die schon mit Buchhandlungen bestückt waren. In Mitte waren nur ganz wenige. Der Ort war also gefunden. In der Alten Schönhauser Straße haben sie schließlich vor einem aus Holz verbarrikadierten Laden mit Souterrain gestanden und wussten: Das ist es! Seitdem gibt es Hundt Hammer Stein. Cecily von Hundt – seine Mitstreiterin – ist mit ihrer Hündin, Momo, 2007 zurück in den Süden gegangen – das Heimweh war zu groß.

Kurt von Hammerstein ist geblieben und mit ihm ein Stückchen Erde, das jeden Bücherfreund von guter Literatur glücklich macht. Liebevoll liegen auf den Tischen besondere Werke, wie man sie in großen Läden selten findet. „Unser Publikum hat oft einen akademischen Hintergrund und legt dementsprechend einen hohen Anspruch bei Büchern“, erzählt er. Der Babyboom in Mitte und Prenzlauer Berg hat ihn zudem dazu inspiriert eine Kinderbuchecke einzurichten. „Die“, sagt er, „liebe ich besonders.“ Dann erzählt er euphorisch von seinem liebsten Kinderbuch, das sich liest „wie Kästner auf LSD.“ Es handelt sich um „Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum“ von Andy Stanton. Übersetzt hat es Harry Rowohlt.

Mit seiner Angestellten, Dana Sachse, und der Auszubildenden, Urte Beer, führt Kurt von Hammerstein den Laden, der 60 Quadratmeter groß ist. „Wir drei ergänzen uns prima, weil jeder einen anderen Büchergeschmack hat“, berichtet Kurt von Hammerstein während er ein Buch in das schöne Geschenkpapier einwickelt. Orange ist es wie eine saftige Apfelsine und zum Schluss kommt in die Mitte der firmeneigene Stempel drauf. Dort bewacht Momo das eingepackte Buch und guckt zum Schriftzug Hundt Hammer Stein als wäre es ein ganz besonderes feiner Knochen.

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„Wie kann sich so eine ausgewählte Buchhandlung halten?“ frage ich einige Minuten später. Eine Antwort brauche ich eigentlich nicht. Mittlerweile sitzen wir vor dem Eingang auf zwei Stühlen. Jeder zweite Passant, der an uns vorbeiläuft, grüßt den Buchhändler oder winkt ihm auf dem Fahrrad zu. Ich habe das Gefühl nicht nur neben einem Ladeninhaber zu sitzen, sondern auch neben einem Menschen, der hier einen Ort geschaffen hat, wo jeder gern ein- und ausgeht. „Es ist ein unwahrscheinlich tolles Gefühl“, sagt er. Es macht ihn sehr glücklich, seine Bücher, die er liebt, an andere zu empfehlen. Dies tut er mit so viel Leidenschaft, dass selbst mir manchmal die Luft wegbleibt. Für jeden seiner Autoren findet er die richtigen Worte, dass ich beispielsweise ernsthaft darüber nachdenke, vielleicht doch nochmal in den David Mitchell reinzulesen.

Der Buchhändler ist wahrlich eine Literaturexperte auf höchstem Niveau. Er hat ein Gespür für die Vorlieben seiner Kunden. Das merke ich daran, weil er ganz genau hinhört, was ich sage, was ich lese und warum ich es tue. Als ich ihm beispielsweise davon berichte, dass ich mit Michael Chabon nie warm geworden bin, fragt Kurt von Hammerstein mich nach dem Titel. Es hieß: „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“. „Das war ein Fehlstart. Wonder Boys solltest du lesen. Es ist eines seiner besten und wurde auch verfilmt.“ Wieder vor dem Literaturgott niederknien? So in etwa. Das sagt er zwar nicht, da ich es nicht laut ausspreche. Sein Leuchten in den Augen verraten mir hingegen alles. Also kaufe ich es. Und nun habe ich den Roman schon durchgelesen, in einem Ruck, weil es tatsächlich ein großartiges Buch ist, das einen von der ersten Seite packt. Als großer Chabon-Fan empfiehlt Kurt von Hammerstein aktuell auch in seinem Laden: Schurken der Landstraße. „Das Buch hat einfach unglaubliche Dialoge, intelligent und philosophisch.“

hhs_kurtsempfehlung_small1Ich freue mich, eine besondere Buchhandlung in der Mitte Berlins entdeckt zu haben. Es ist schön zu sehen, dass es sie wahrlich noch gibt, die Buchhändler, die mit jedem Herzschlag für ihre Bücher kämpfen, mit jeder Seite und jedem Augenschlag. Kurt von Hammerstein ist einer von ihnen.

(Bericht von Simone Finkenwirth, Buchhändlerin und Bloggerin bei Klappentexterin)

Hundt Hammer Stein
Alte Schönhauser Str. 23/24
10119 Berlin

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Hammett-Krimibuchhandlung in Berlin

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Die Krimiwelt erinnert mich an einen Marsch durch den Dschungel. Die Auswahl ist riesig und raubt mir oft meinen Durchblick. So bewege ich mich leicht blind durchs wilde, pieksende Gestrüpp. Richtungsweisende Trampelpfade tauchen so gut wie nie auf. Wie schön ist es da, dass es spezielle Buchhandlungen wie die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ gibt, die mir den richtigen Weg zeigen. Dort wird jeder Fall gelöst, wenn es darum geht: Welchen Krimi lese ich als nächsten? Genau die Buchhandlung möchte ich euch heute vorstellen.

Die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ befindet sich im bekannten Bergmannkiez in Berlin Kreuzberg. Wenn man aus der Markthalle herauskommt, sind es nur wenige Schritte und schon steht man mittendrin in einer Welt, bei der alle Krimifans glücklich in die Hände klatschen. Spannung, wohin das Auge reicht! Links und rechts in den Regalen, auf den Tischen, an der Kasse und in einzelnen Schütten. Krimis und Thriller aus aller Welt. Bekannte Autoren sind ebenso dabei wie unbekannte. Von vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus dem Genre sind nahezu alle Werke vorhanden. Dazwischen entdecke ich auch neue Namen, die meine unbändige Neugier auf zauberhafte Weise wachkitzeln. Daher empfehle ich für den ersten Besuch, ein bisschen Zeit mitzubringen, denn die braucht man, wenn man sich durch dieses Kleinod bewegt.

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Am Kassentresen erspähe ich eine TOP-TEN Liste. Auf jeder Zahl von 1 bis 10 liegen Bücher. Was ist das? „Das ist unsere eigene Bestsellerliste,“ sagt Heinz Scheffelmeier. Die TOP-TEN zeigt den Kunden, welche Bücher am häufigsten im Vormonat gekauft worden sind. Dort stoße ich auf Bestseller-Autoren wie Lars Kepler und Don Winslow, ebenso wie auf mir eher unbekannte Schriftsteller: D.B. Blettenberg und Thomas Ross. Alle sind vor allem aus der persönlichen Empfehlung dort gelandet. Respekt! Man entdeckt in der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ die sogenannte Mainstream-Lektüre und großartige Raritäten. Mein scharfer Miss Marple Blick fängt rechts neben der Kasse noch etwas auf: Eine kulinarische Krimiecke mit schwarzen Revolver-Nudeln, die man dort kaufen kann. „Die sind eins unserer beliebtesten Geschenke,“ sagt der Buchhändler. Passend zum Thema gruppieren sich kulinarische Krimis um das liebevoll-dekorierte Arrangement. Da läuft mir allein beim Anblick das Messer, ach Pardon, das Wasser im Mund zusammen.

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Die beiden Räume, die zur Buchhandlung zählen, sind klein, doch der Schein trügt, denn hier steht eine riesige Auswahl an Krimi-Literatur. Die Kunden finden zahlreiche Kinderkrimis, True Crime Werke und Sekundärliteratur sowie 2500 neue deutsche Krimis, 700 englischsprachige Titel, 2500 antiquarische Werke, 1000 englische antiquarische Bücher sowie 1500 besonders gesuchte und vergriffene Werke. Für die ausrangierten Titel, die man im Buchhandel nicht mehr kaufen kann, gibt es einen extra Raum. Ich ziehe dort aus einer Schütte einen sehr gut erhaltenen Martha Grimes Roman. Den lege ich zu “Der Blinde von Sevilla” von Robert Wilson. Eine persönliche Empfehlung von Heinz Scheffelmeier, nachdem ich ihm von Jussi Adler-Olsen vorgeschwärmt hatte.

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Der Inhaber, Christian Koch, hat 1999 die Buchhandlung übernommen. Zusammen mit Heinz Scheffelmeier führt er seinen Laden. Ein großes Vorbild war dazu auch die Buchhandlung „Wendeltreppe“ aus Frankfurt. Mit jedem Schritt spüre ich die Leidenschaft der beiden Buchhändler, die ich hier und auch im Internet auffange. Auf der eigenen Internetseite finden sich neben informativen Links zu Suchdatenbanken auch aktuelle Nachrichten aus dem Genre sowie über 850 Rezensionen aus den letzten acht Jahren.

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Im Fokus der Buchhandlung stehen vor allen Hardboiled Krimis wie Hammett oder Chandler und Noir. Gleich links am Eingang begrüßen einen die großen Meister auf zwei Plakaten. „Gerade das Lebensgefühl der Noir passt wunderbar nach Kreuzberg,“ sagt Scheffelmeier. Man stelle sich das mal in Charlottenburg vor! Fühlt sich irgendwie ein bisschen verdreht an. Ich kann mir zunächst unter dem Genre „Noir“ nur grob etwas vorstellen. Sofort eilt mir der Buchhändler zur Hilfe und reicht mir „Westküstenblues“ von Jean-Patrick Manchette. Beim Lesen des Klappentextes denke ich an wunderbare Chabrol Filme. Und nach einer kurzen Recherche später Zuhause entdecke ich, dass beide auch gemeinsam Filmarbeit geleistet haben. “Ein guter Roman Noir ist ein Sozialroman, ein sozialkritischer Roman, der die Geschichte eines Verbrechens als vordergründige Handlung nimmt.” Dieses Zitat habe ich bei Wikipedia entdeckt und konnte es nicht wortlos dort stehen lassen. Ich ging zu “HAMMETT” und entdeckte für mich nun auch ein neues Genre. Die Krimiwelt darf gerne weiterhin ein undurchsichtiger Dschungel sein. Ich weiß ja nun, wo ich einen guten Trampelpfad finde. Der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ sei Dank!

(Bericht von Simone Finkenwirth, Buchhändlerin und Bloggerin bei Klappentexterin)

Hammett Krimibuchhandlung
Friesenstr. 27
10965 Berlin

Hammett-Krimibuchhandlung im Netz
Hammett-Krimibuchhandlung bei Facebook

Die Akazienbuchhandlung in Berlin

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Ich habe die Akazienbuchhandlung noch nicht betreten und spüre schon das Besondere. Fragen nach dem Wieso und Warum sind hier zwecklos. Es ist einfach das Gefühl einer Bücherfreundin, die eine feine Nase hat und am Ende natürlich nicht verwundert ist, dass sie mit ihrer Intuition recht hatte.
Bevor ich die Buchhandlung jedoch erreicht habe, begrüßt sie mich bereits in der U-Bahnhaltestelle Eisenacher Straße mit einer liebevoll gestalteten Auslage. Ein kleiner warmer Lichtblick im sonst so ungemütlichen Untergrund.

Die Buchhandlung befindet sich in der Berliner Schöneberger Akazienstraße. An dieser Stelle kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen: Eine schönere Umgebung kann es für eine Buchhandlung nicht geben. Kleine Geschäfte mit besonderen Auslagen entzücken den Flanierenden genauso wie die Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen.

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Die Akazienbuchhandlung verströmt beim Eintreten eine schöne und gemütliche Atmosphäre. Kunstvoller Stuck an der Decke verleiht dem Laden ein malerisches, leicht verträumtes Bild. Ich fühle mich sofort gut aufgehoben und streife durch die etwa 90 Quadratmeter. Hier gibt es viel zu entdecken wie zum Beispiel die liebevoll gestaltete britische Wand, die das Queen-Jubiläum würdigt. Beim Rundgang stoße ich auf vertraute und fremde Werke, die ich in die Hand nehme und lächle.

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„Unser Schwerpunkt liegt in der Belletristik“, sagt Herbert Bahlinger. Der Buchhändler leitet seit 2009 das Geschäft, nachdem sich die Inhaberin aus dem aktiven Tagesgeschehen zurückgezogen hatte. Seit 1994 existiert dieser literarische Ort in dem Schöneberger Kiez. Meine Augen stolzieren wir emsige Wanderer über die Tische und durch die Regale. Vor allem die kleinen Editionen funkeln mich wie kleine Schätze an und wecken mein Interesse. Herbert Bahlingers Augen leuchten, als er mir „Leben als Literatur“ von Alexander Nehamas aus dem Lagerfeld Steidl Druck – kurz L.S.D. – in die Hand legt. Von dem Karl Lagerfeld? Ja, von dem. Was für ein Exemplar! Ich spüre die Liebe zum Buch und verliere mich in der schlichten Gestaltung. Schon fällt mir ein Gedanke aus dem Mund, schneller als ich ihn aufhalten kann: „Ist da an ein eBook zu denken?“ „Wohl kaum“, antwortet mir Herbert Bahlinger. Wir gucken uns beide an und denken das Gleiche, ohne dass es weiterer Worte bedarf, außer vielleicht staunenden Ausdrücken. „Unsere Kunden schätzen solche Raritäten.“

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Es sind vorrangig das fünfköpfige Buchhändlerteam und die Stammkunden, die der Akazienbuchhandlung die Luft zum Atmen schenken. „Wir sind alle total unterschiedlich, aber genau das zeichnet uns aus“, berichtet Bahlinger. Die Bindung an ihre Kunden ist groß und ein wichtiges Element. Man kennt sich nach den vielen Jahren so gut, dass die Mitarbeiter bei neuen Büchern sofort an bestimmte Kunden denken und diese zur Seite legen. „Was wir hier machen ist ein ganz direktes Tun“, erzählt er. Sie wissen ihre Kunden zu schätzen und verschenken jedes Jahr zu Weihnachten kleine Jahresbändchen. Darüber hinaus werden Akazien-Kunden einmal die Woche mit einem Newsletter, dem „literaturkurier“, versorgt. Der redaktionelle Teil mit dem Hinweis auf Neuerscheinungen und Literaturtipps in Funk und Fernsehen kommt vom Deutschlandfunk und KulturRadio, die persönlichen Empfehlungen erstellen die Buchhändler aus der Akazienbuchhandlung.

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Neben belletristischen Titeln gibt es auch eine gute Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern, Psychologie, Biographien, Politik, Zeitgeschehen, Philosophie, Hörbüchern, Reiseführern, Berlin-Titeln und Postkarten. Er zeigt mir beim Postkartenständer die zauberhaften Karten von der japanischen Künstlerin June Keser (www.humwithme.com) die mich sofort begeistern. Seit neuestem bietet die Buchhandlung auch das „Philosophie-Magazin“ an.
Ja, es gibt viel zu entdecken in diesem Fleckchen inmitten von Schöneberg. Ich erspähe u.a. ein Holzkästchen mit Heften, auf dem steht: „Friedenauer Presse“. Herbert Bahlinger sieht die Fragezeichen in meinen Augen auf und ab laufen. „Noch nie gehört?“ „Nein, ich muss passen.“ Dann erzählt er mir von der 80-jährigen Verlegerin, die mit großer Leidenschaft noch selbst publiziert. Bei solchen Geschichten wird mir automatisch ganz warm ums Herz. Welche Freude ist es zu hören, dass diese liebevoll gestalteten Heftchen hier ihre Liebhaber haben!

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Die Akazienbuchhandlung ist eine Buchhandlung mit Tradition und Liebe für das Besondere, die wirklich an alles denkt, selbst an durstige Kunden. Rechts vom Eingang steht ein Wasserspender, an dem man sich bedienen kann. Nach meinem Besuch lächle ich und bin froh, dass ich diesen Laden entdeckt habe und kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen. Gleich nebenan gibt es übrigens das Bilderbuchcafé, in dem alle bibliophilen Menschen einen wunderbaren Ort des Verweilens genießen können. Die Akazienstraße ist eben ein Fleckchen für Bücherfreunde, denen das Besondere am Herzen liegt.

(Bericht von Simone Finkenwirth, Buchhändlerin und Bloggerin auf Klappentexterin)

Akazienbuchhandlung
Akazienstraße 26
10823 Berlin

Buchhandlung Kayser in Rheinbach

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Im Herzen Rheinbachs liegt die Buchhandlung Kayser, geführt von Andreas John. Auf rund 200 m² findet man hier ein abwechslungsreiches Sortiment, bestehend aus Belletristik, Sachbüchern, Kinderbüchern, DVDs und Hörbüchern. Immer wieder erstaunt sei sie, schreibt mir eine Kundin, wie man all das auf so wenig Raum unterbringen kann. Jedes Mal finde sie etwas, was sie gern mitnehme, auch das Engagement der Mitarbeiter sei bewundernswert.

Sollte das Gewünschte wider Erwarten nicht vorrätig sein, so werden Herr John und seine Mitarbeiter dafür sorgen, dass man es am nächsten Tag in den Händen hält. Mir hat Frau Schween z.B. einen Bildband  aus den Staaten besorgt, den es hier in Europa wohl nie gegeben hat.

Da erwacht der Schatzsucherinstinkt des Buchhändlers – nicht widerwillig, sondern gern. Hingabe solcher Art sucht man im Onlinehandel vergebens, allenthalben verliert man selbst Nerven und Zeit bei der womöglich erfolglosen Suche. Die Mitarbeiter in der Buchhandlung Kayser kennen ihre Kunden, sie wissen um deren Vorlieben und Interessen. Besagte Frau Schween müsse sie nur ansehen, um zu wissen, wonach sie suche, erzählt mir die Kundin beeindruckt, selbst Bücher, die sie aus eigenem Antrieb nie in die Hand genommen hätte, stellten sich als Volltreffer heraus. Wer Vertrauen in seinen Buchhändler hat, kann literarisch aufs Positivste überrascht werden.

kayserAber die Buchhandlung Kayser leistet noch mehr. Neben Lesungen und Konzerten wird einem fachmännisch die Hand gereicht, wenn es darum geht, einen Trampelpfad durch den Dschungel an Neuerscheinungen zu finden. So zum Beispiel auch im November, wenn es heißt “Drei Männer und eine Badewanne voller Bücher”. Selbst im größten Betrieb ist Zeit für ein paar nette Worte, die das Miteinander im Laden, die Interaktion zwischen Kunde und Verkäufer wieder etwas persönlicher und menschlicher werden lassen. Für das saisonale Kalendergeschäft öffnet die Buchhandlung Kayser einen kleinen separaten Laden nebenan. Man fühlt sich, so die Kundin, einfach rundum wohl dort. Wer sich also in der Nähe aufhält, ist herzlich aufgerufen, mal einen Schritt über die Schwelle dieser Buchhandlung zu setzen.

Buchhandlung Kayser
Hauptstr. 28
53359 Rheinbach

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Buchhandlung Böhm in Pfarrkirchen

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Im niederbayrischen Rottal, in Pfarrkirchen, um genau zu sein, liegt die Buchhandlung Böhm. Zwei Filialen betreuen Doris und Sebastian Seibold mittlerweile mit Freude, Herzblut und großem Einfallsreichtum. Zuvor in familiärer Hand, übernahm Sebastian Seibold die Buchhandlung Böhm vor gut zwei Jahren. Nun wird das Gebäude abgerissen und neu aufgebaut, für viele bedeutete das einen tristen Aufenthalt in Containern oder anderen wenig charmanten Teilzeitunterkünften. Nicht so für die Seibolds. Sie entschlossen sich, einen alten englischen Oldtimerbus zu mieten und ihren Stammkunden auf diese Weise weiterhin treu zu sein.

Das Leben und Arbeiten im Bus ist eine ganz neue und besondere Erfahrung, dennoch hoffen die beiden natürlich, dass Emil, so der Name des fetzigen Vierräders, nur noch bis Oktober im Dienste der Buchhandlung Böhm unterwegs sein wird und dann der neue Laden bezogen werden kann. Wenn die Inhaber der Buchhandlung Böhm nicht gerade auf vier Rädern unterwegs sind, betreuen sie ein allgemeines Sortiment, mit einem Schwerpunkt auf Belletristik, Kinder – und Jugendliteratur und regionalen Titeln. Sie führen Lesungen durch, sind mit Büchertischen in umliegenden Kindergärten präsent und engagieren sich insgesamt sehr für die Leseförderung.

Trotzdem die Seibolds keine gelernten Buchhändler sind, er war in einem früheren Leben mal Bankkaufmann und sie Personalreferentin eines Automobilkonzerns, lieben sie doch ihren Beruf. Die Buchbranche ist offen für Quereinsteiger, für Menschen, die mit ihrer Liebe zur Literatur auch andere anstecken wollen – und können! Auf meine Frage, was denn so schön an der Arbeit in einer kleinen Buchhandlung sei, antwortete mir Doris Seibold Folgendes:

Das Schöne an der Arbeit in der Buchhandlung ist, dass man Menschen trifft, die ebenfalls Bücher gerne mögen und die auch die persönliche Beratung schätzen. Das größte Glück ist, wenn jemand, den man beraten hat, glücklich wiederkommt. Wir haben aber auch gerade im Sommer Touristen aus allen Teilen Deutschlands, die auf der Suche nach Urlaubslektüre für den Aufenthalt im Bäderdreieck sind. Gerade diese Klientel findet kleine, inhabergeführte Buchhandlungen wie wir es sind, toll. Ich denke, diese Vielfalt an Kontakten zu unterschiedlichen Menschen und der Austausch über die neuesten Lieblingsbücher macht die Arbeit in der Buchhandlung so besonders.

emil2Auch hier kommt er wieder zum Tragen – der unmittelbare Kontakt zwischen Buchhändler und Kunde, der Austausch über die Lektüre, das Diskutieren und die Begeisterung über literarische Entdeckungen schweißen zusammen, binden aneinander. Anders als der Algorithmus eines Internet-Großhändlers, der zwar passende Äquivalente zum gerade beendeten Roman finden mag, sich aber nicht mit Leidenschaft darüber austauschen wird. Das unterscheidet den Buchhändler doch noch immer vom konventionellen Einzelhändler – seine Ware ist ein Kulturgut und Kultur verbindet. Wer sich also mal im Niederbayrischen aufhält, der ist herzlich eingeladen, der Buchhandlung Böhm einen Besuch abzustatten, er wird sich lohnen!

Buchhandlung Böhm
Bahnhofstr. 1
84347 Pfarrkirchen

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Parkbuchhandlung Bonn

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Ich möchte die Parkbuchhandlung in Bonn Bad Godesberg vorstellen. Nach meinem Umzug  aus Kerpen hier in den Süden NRWs, konnte ich nicht mehr bei meiner vorherigen Lieblingsbuchhandlung WortReich in Kerpen einkaufen, weil es einfach zu weit wäre, also war ich auf der Suche nach einer Alternative, einer schönen Alternative, einer die mich zufriedenstellt und bei der ich mich gut aufgehoben fühle. Eine Buchhandlung, die all die Bücher hat, die ich selbst gern hätte und die trotzdem nicht unpersönlich ist, bei der ich nicht jedes Mal erläutern muß, was ich denn gerne lese, sondern bei der sich der Buchhändler an mich und meine letzten Einkäufe erinnert und vielleicht sogar schon eine neue wunderbare Empfehlung für mich parat hat.

Fündig wurde ich letztlich in Bad Godesberg. Die kleine aber sehr feine Parkbuchhandlung, geführt von Barbara Ter-Nedden, liegt direkt an der Koblenzer Str, also in unmittelbarer Nähe zur Einkaufsmeile, so daß es sich gut dort stöbern läßt und man dem Mann vorgaukeln kann, man kaufe Lebensmittel ein, während man dann mal schnell und unauffällig einen Abstecher in die Buchwelt macht. Für Kinder gibt es eine kleine Spielecke, in der man seine fantastischen Erlebnisse aus den Büchern gleich nachspielen kann oder wo man sich beschäftigen darf, während Mami ein Buch nach dem anderen durchforstet. Dort darf auch in den Kinderbüchern geblättert und geschaut werden, anfassen ist hier nicht verboten und auch wenn man mal nicht ganz so leise ist, gibt es keine bösen oder strengen Blicke.

Das Kinder- und Jugendbuchsortiment ist wirklich toll und bewegt sich neben den üblichen Verdächtigen der Jugendbuch-Bestsellerlisten auch durchaus ein wenig im spannenden Bereich der kleinen und unabhängigen Verlage. Hier kann man auch mit der Hilfe der freundlichen Mitarbeiter die ein oder andere Perle entdecken, auf die man sonst eventuell nicht aufmerksam geworden wäre. Überhaupt spielen Kinder eine ganz große Rolle in der Parkbuchhandlung, nicht nur Veranstaltungen zur Leseförderung finden hier regelmäßig statt, Frau Ter-Nedden und ihre Mitarbeiter engagieren sich auch sehr stark in der Kinder- und Jugendförderung und haben neben tollen Lesungsterminen und musikalischen Veranstaltungen auch immer wieder tolle Projekte zum Mitmachen für Kinder im Angebot, sei es zum Buchbinden oder Basteln, Workshops für die Kleinen zum Dichten oder die 7 Bücherkoffer, die durch die Parkbuchhandlung bestückt wurden und nun an den Schulen im Umkreis kursieren und die Kinder ans Lesen heranführen.

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Auch musikalisch gibt die Parkbuchhandlung einiges her, immer wieder finden Lesungen mit musikalischer Begleitung statt oder es gibt kleine Konzerte in der Buchhandlung. Im Juni gibt es eine ganze Konzertreihe junger Musiker, denen so eine ganz tolle Chance geboten wird. Seit kurzem steht mitten in der Buchhandlung auch ein Flügel, der bei zukünftigen Veranstaltungen, wie ich hoffe, rege genutzt werden wird. Das Sortiment für Erwachsene bewegt sich ebenfalls ein wenig weg von den üblichen Krimis und historischen Romanen der Bestsellerlisten.

Bestseller finden sich hier zwar auch, aber eben auch kleine feine spezielle Empfehlungen, auf die man durch das Personal auch immer wieder gerne aufmerksam gemacht wird. Ich mag auch die optische Präsentation der Bücher und freue mich jedes Mal, daß die Regale nicht, wie bei vielen anderen Buchhandlungen, für mich kleine Person viel zu hoch aufgetürmt sind, sondern daß alles gut erreichbar und vorallem klar strukturiert und nicht zu überladen ist. Wichtig finde ich auch, daß es hier zwar auch einen Non-Book-Tisch gibt, dieser aber eben nicht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zieht und man ihn, bei mangelndem Interesse an Lesezeichen, Aufklebern, Fotoalben und co auch ganz locker links liegen lassen und sich auf die Bücher konzentrieren kann. Die wirklich gut gepflegte Homepage der Buchhandlung ist immer wieder einen Blick wert und sei es nur wegen der guten Buchtipps.(Derzeit wird “Die Leute, die sie vorübergehen sahen” empfohlen, ein Buch, das auch mich sehr bewegt und fasziniert hat.)

Auch die buchhandlungseigene Bestsellerliste auf der Homepage verführt einen zu so manchem Kauf, da sich dort eben Bücher befinden, die einem sonst nicht ganz so ins Auge fallen würden und auf die ein zweiter Blick sich auf jeden Fall lohnt.
Frau Ter-Nedden, ihr Sohn und ihre Mitarbeiter sind stets freundlich und kompetent, ist ein Buch mal nicht direkt verfügbar, wird es umgehend bestellt oder aber nach einer passenden Alternative gesucht. Speziell die Empfehlungen von Frau Gürkan, finde ich, gerade weil sie häufig etwas ausgefallener sind, immer wieder ausgesprochen spannend und gut. Bestellungen erfolgen prompt und können auch per Email abgegeben werden. Alles was vor 18 h in der Buchhandlung eingeht, kann am nächsten Werktag abgeholt werden. Ja, ich habe einen Ersatz für meine alte Lieblingsbuchhandlung WortReich in Kerpen gefunden und dafür bin ich Frau Ter-Nedden und ihrem Team sehr sehr dankbar.

(Bericht von Janine Binder, Autorin und Bloggerin auf jetztkochtsieauchnoch)

Parkbuchhandlung
Koblenzer Str. 57
53173 Bonn

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Buchhandlung Zweitbuch in Oberhausen

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Im Kopf, in meinen Träumen kannte ich sie immer schon. Gemütlich müsste sie sein, nicht zu groß, aber auch nicht winzig klein und vollgestopft, sodass man ohne die Hilfe des fachkundigen Buchhändlers nicht selbst etwas finden könnte. Sie lüde zum Stöbern ein, hätte sich mein bedingungsloses Vertrauen aber bereits erkauft, indem sie mindestens fünf meiner aktuellen Lieblingsbücher vorrätig hat. Der Buchhändler wäre unaufdringlich kompetent und könnte nahezu meine Gedanken lesen – bin ich in Plauderstimmung oder möchte ich mich heute selbst umsehen? All das wüsste er bereits im Augenblick meines Eintretens an meiner Körpersprache abzulesen. Und, last but not least, diese perfekte Buchhandlung müsste eine Mischung sein aus altmodischer und moderner Buchhandlung, denn ich möchte als launischer und spontaner Kunde meine Bücher am nächsten Tag abholen oder sie mir, wenn die Zeit knapp wäre, zuschicken lassen; ich möchte echte, nach Papier und Druckerschwärze duftende Exemplare in der Hand halten, aber ich will auch, wenn es eilt, in Sekundenschnelle ein Ebook für meinen Reader herunterladen, ohne der Buchhandlung damit zu schaden, indem ich mich vom Kindle-Format einkerkern lasse.

04blicknachhinten1Diese Buchhandlung zu finden war beinahe schon eine wahre Quest, und das, obwohl ich selbst Buchhändlerin bin! Aber ich habe sie gefunden, im Zweitbuch im Oberhausener Stadtteil Schmachtendorf. Die Buchhandlung hat die genau richtige Größe, denn es gibt neben dem Hauptverkaufsraum einen Nebenraum, der sich Mord und Totschlag widmet: die Krimikammer. Hier finden sich Regionalkrimis, rasante amerikanische Thriller, die feine englische Art zu Töten, aber auch die blutrünstigen Damen des mörderischen Gewerbes wie Meg Gardiner oder Karen Slaughter. Liebevoll eingerichtet und ausgefallen dekoriert wird hier der Wein und Cidre angeboten, was in meiner Vorstellung durchaus Sinn macht. Ein Gläschen Wein zur Beruhigung während des Lesens ist ja absolut legitim!

Im Hauptraum dominieren die hohen Regale an den Wänden, hier finden sich Ratgeber, aber auch die belletristischen Titel. Der letztgenannte Bereich ist eine wunderbare Mischung aus aktuellen Titeln und ausgesuchten Klassikern, hier habe ich bereits Baudelaire entdeckt, aber auch Perutz, Poe und Strindberg; hier kann ich überlegen, ob mir nach einem humoristischen Frauenroman zumute ist (eine Einladung, die ich meistens dankend ablehne) oder ob ich nicht doch einmal einen Blick in den neuen Schmöker von Sabine Ebert werfen soll. Und wenn ich keine Lust zu lesen habe, kann ich mir auch die Kunstwerke ansehen, die im Zweitbuch verkauft werden – Originale, wohlgemerkt, keine Drucke.
Die gegenüberliegende Seite ist ganz den fantastischen Welten gewidmet, es gibt ein Regal mit gängiger und exotischer Fantasy, daneben Märchen und ein Regal, das ganz und gar die Persönlichkeit des Inhabers widerspiegelt: die Tolkien-Ecke. Lars Baumann und das Zweitbuch sind Mitglieder der Deutschen Tolkien Gesellschaft, und wenn ich je einem Experten auf diesem Gebiet gerne zugehört habe (obwohl ich den Herrn der Ringe auch nach dreimaligem Ansetzen NICHT zu Ende gelesen habe), dann ist es dieser Buchhändler – beinahe hat er mich soweit, dass ich es doch noch einmal versuche.

Überhaupt, erzählen kann er, der Buchhändler meines Vertrauens. Vom Meer, von der Musik, von seiner Liebe zu Büchern, die nur während einer kurzen Phase seines Lebens durch die Macht der Hormone in den Hintergrund gedrängt wurde. Von der anstrengenden Renovierung des Ladens nach der Übernahme vor 5 Jahren berichtet Lars Baumann ebenso eloquent wie von seinen treuen Stammkunden. Das Besondere für mich an diesem Buchhändler ist, dass er, um es mit seinen eigenen Worten zu sagen, „kein Bildungsfanatiker“ ist. Als Buchhändler hat man einen Bildungsauftrag, ja. Aber muss man nicht vielmehr auch die Freude am Lesen vermitteln, und sei es die Freude an der Lektüre der „Shades“ oder an „Fear Street“? Wer die „Shades“ liest, landet vielleicht einmal bei de Sade, kommt von dort zur Französischen Revolution und entdeckt, dass Bücher lesen tatsächlich gleichzusetzen ist mit Welten entdecken!

Apropos „Fear Street“, eine Kinder- und Jugendbuchecke mit ausgewählten Titeln gibt es natürlich auch – zentral im Mittelbereich, mit den Kinderbüchern auf Kinder-Griffhöhe. Zudem engagiert sich Herr Baumann als Lesepate, er unterstützt den Sponsorenlauf der Grundschule in seinem Stadtteil und ist außerdem auch noch Zeitungspate im Rahmen des ZEUS-Projektes überregionaler Tageszeitungen. So müssen Buchhandlungen sein: eine kulturelle Anlaufstelle in ihrem Viertel, ohne Lektüre zu zensieren oder hochnäsig zu urteilen „So etwas führen wir nicht.“

Diesen Satz bekam ich übrigens tatsächlich einmal zu hören, als ich Agatha Christies „Die Tote in der Bibliothek“ kaufen wollte, ebenso wie „Was wollen SIE denn damit?“, als ich ein Buch von Wilhelm Raabe bestellen wollte. Wie man sich denken kann, habe ich diese Buchhandlungen nie wieder betreten. Aus diesem Grund ist das Zweitbuch meine Lieblingsbuchhandlung. Das würde mir dort nie passieren, selbst wenn ich ab sofort nur noch Nackenbeißer lesen wollte.

(Bericht von Gunda Plewe, bloggt auf Gunda liest)

Buchhandlung Zweitbuch
Dudelerstr. 19
46147 Oberhausen

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Buchhandlung Langenkamp in Lübeck

langenkamp

Die Buchhandlung Langenkamp – im Übrigen längst nicht mehr betrieben von Langenkamps, auch wenn der ein oder andere Anrufer noch immer entschieden Herrn oder Frau Langenkamp verlangt – liegt ein bisschen abgeschlagen unweit der Lübecker Fußgängerzone. Gegenüber des Lübecker Theaters wird sie gewissermaßen eingerahmt von einem Café und Ex-Bertelsmann-zeilenreich. So ist es auch keine Seltenheit, dass desorientierte Kunden in den kleinen Laden stürmen und mit ihren Kundenkarten wedeln, bis ihnen bewusst wird, dass sie sich in der Tür geirrt haben. Für manch einen könnte das allerdings auch zum Erweckungserlebnis werden, zu einem Irrtum, für den sie irgendwann einmal dankbar sein könnten.

Die Buchhandlung Langenkamp ist schon seit über drei Jahren mein steter Anlaufplatz auf der Suche nach besonderen Büchern oder einer zünftigen Tasse schwarzen Tees. Bevor ich meine Ausbildung begonnen habe, war ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz. Eine Buchhandlung sollte es schon sein, aber mehr etwas Kleines, zum Ausprobieren. Frau Gewin-Bock, seit nunmehr über zehn Jahren Inhaberin der Buchhandlung Langenkamp, war damals so freundlich, mir dieses Sprungbrett in die Buchbranche in dieser ihrer Buchhandlung aufzustellen, worüber ich heute noch sehr glücklich bin.

Über ein halbes Jahr durfte ich dort meine ersten Erfahrungen im Buchhandel sammeln. Und so kenne ich die Buchhandlung nicht nur aus Kundensicht, sondern auch von “innen”. Sie ist nicht groß, die Buchhandlung Langenkamp, jedenfalls nicht, wenn sich Größe ausschließlich durch eine gewisse Quadratmeterzahl definiert. Das hat sie aber auch gar nicht nötig, denn sie punktet mit ganz anderen Qualitäten. Frau Gewin-Bock hat, in Bezug auf ihre Kunden, ein bemerkenswertes Elefantengedächtnis. Der Berliner würde vielleicht sagen, “sie kennt ihre Pappenheimer” und er würde das sehr liebevoll meinen. Und das nicht nur namentlich, sondern auch geschmacklich. Sie weiß genau, was ihre Kunden gern lesen und wofür sie sich interessieren – und sie scheut in der Regel auch keine Kosten und Mühen, um ein bestimmtes Buch heranzuschaffen.

Trotzdem ich nun seit 2011 selbst im Buchhandel arbeite, entdecke ich bei ihr immer wieder besondere und ausgefallene Bücher, die ich andernfalls vermutlich nie bemerkt hätte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele kleine Schätze auf so wenig Fläche mit dem einen oder anderen Verkaufsschlager in friedlicher Koexistenz zusammenstehen können. Frau Gewin-Bock engagiert sich desweiteren auch bei vielen Aktionen in der Stadt und bringt eigene Ideen ein. So ist es beispielsweise um die Weihnachtszeit Sitte, mit einer Schule in einem der sozial schwächeren Stadtteile Lübecks zusammenzuarbeiten. Die Kinder schreiben Wunschzettel und Frau Gewin-Bock ermöglicht den Kindern – mit Unterstützung ihrer Kunden, die sich aus dem passend dazu dekorierten Schaufenster ein Buch aussuchen können, das sie dem jeweiligen Kind zu Weihnachten “spenden” – ihre Lektüre.

Man bemerkt, dass Frau Gewin-Bock ihren Beruf mit Leidenschaft ausübt. Das allein ist heute, so bedauerlich es erscheint, ein nicht zu unterschätzendes Qualitätsmerkmal. Wer gern in seinem Beruf arbeitet, wird das ausstrahlen – und genau das ist hier der Fall. Die Buchhandlung Langenkamp bietet ein ansprechendes Gemisch aus belletristischen Titeln, Sachbüchern, einem kleinen Hörbuchsortiment, Reiseführern und Kinder – und Jugendbüchern. Und ich bin überzeugt: Wenn es jemand schaffen würde, mir allein durch sein Angebot Kinder – und Jugendliteratur näherzubringen, wäre es Frau Gewin-Bock. Und da ich ja praktisch wöchentlich über die Schwelle in diesen Laden trete, habe ich mal nachgefragt, was eigentlich das Schöne, das Bewahrenswerte an der Arbeit in kleinen Buchhandlungen ist:

Warum bin ich (noch) immer gerne BUCHhändlerin?

Weil ich gerne (meist) netten Menschen Bücher empfehle, die auch mir Spaß machen (daher finden sich nicht unbedingt die Bestseller von diversen Listen in meinem Laden). Weil ich gerne in meinem kleinen, überschaubaren Laden arbeite und jedes Buch fast “persönlich” kenne. (angefangen bei der Verlagsvorschau, reinlesen, Bestellung, auspacken und wegräumen und dann dem richtigen Leser empfehlen). Weil ich versuche, den Begriff der “Sortimenterin” noch auszuüben, d.h. ich suche aus der riesigen Auswahl der Neuerscheinungen mit Blick auf meine Kunden die Bücher aus, die zu meinen Lesern passen. Weil ich es toll finde, in den Verlagsvorschauen zu stöbern und eine Vorauswahl zu treffen, dabei lege ich besonderen Wert auf kleine und unabhängige Verlage.

(Bericht von mir, zuerst gebloggt auf Literaturen)

Buchhandlung Langenkamp
Beckergrube 19
23552 Lübeck

Buchhandlung Langenkamp im Netz