Die Akazienbuchhandlung in Berlin

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Ich habe die Akazienbuchhandlung noch nicht betreten und spüre schon das Besondere. Fragen nach dem Wieso und Warum sind hier zwecklos. Es ist einfach das Gefühl einer Bücherfreundin, die eine feine Nase hat und am Ende natürlich nicht verwundert ist, dass sie mit ihrer Intuition recht hatte.
Bevor ich die Buchhandlung jedoch erreicht habe, begrüßt sie mich bereits in der U-Bahnhaltestelle Eisenacher Straße mit einer liebevoll gestalteten Auslage. Ein kleiner warmer Lichtblick im sonst so ungemütlichen Untergrund.

Die Buchhandlung befindet sich in der Berliner Schöneberger Akazienstraße. An dieser Stelle kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen: Eine schönere Umgebung kann es für eine Buchhandlung nicht geben. Kleine Geschäfte mit besonderen Auslagen entzücken den Flanierenden genauso wie die Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen.

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Die Akazienbuchhandlung verströmt beim Eintreten eine schöne und gemütliche Atmosphäre. Kunstvoller Stuck an der Decke verleiht dem Laden ein malerisches, leicht verträumtes Bild. Ich fühle mich sofort gut aufgehoben und streife durch die etwa 90 Quadratmeter. Hier gibt es viel zu entdecken wie zum Beispiel die liebevoll gestaltete britische Wand, die das Queen-Jubiläum würdigt. Beim Rundgang stoße ich auf vertraute und fremde Werke, die ich in die Hand nehme und lächle.

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„Unser Schwerpunkt liegt in der Belletristik“, sagt Herbert Bahlinger. Der Buchhändler leitet seit 2009 das Geschäft, nachdem sich die Inhaberin aus dem aktiven Tagesgeschehen zurückgezogen hatte. Seit 1994 existiert dieser literarische Ort in dem Schöneberger Kiez. Meine Augen stolzieren wir emsige Wanderer über die Tische und durch die Regale. Vor allem die kleinen Editionen funkeln mich wie kleine Schätze an und wecken mein Interesse. Herbert Bahlingers Augen leuchten, als er mir „Leben als Literatur“ von Alexander Nehamas aus dem Lagerfeld Steidl Druck – kurz L.S.D. – in die Hand legt. Von dem Karl Lagerfeld? Ja, von dem. Was für ein Exemplar! Ich spüre die Liebe zum Buch und verliere mich in der schlichten Gestaltung. Schon fällt mir ein Gedanke aus dem Mund, schneller als ich ihn aufhalten kann: „Ist da an ein eBook zu denken?“ „Wohl kaum“, antwortet mir Herbert Bahlinger. Wir gucken uns beide an und denken das Gleiche, ohne dass es weiterer Worte bedarf, außer vielleicht staunenden Ausdrücken. „Unsere Kunden schätzen solche Raritäten.“

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Es sind vorrangig das fünfköpfige Buchhändlerteam und die Stammkunden, die der Akazienbuchhandlung die Luft zum Atmen schenken. „Wir sind alle total unterschiedlich, aber genau das zeichnet uns aus“, berichtet Bahlinger. Die Bindung an ihre Kunden ist groß und ein wichtiges Element. Man kennt sich nach den vielen Jahren so gut, dass die Mitarbeiter bei neuen Büchern sofort an bestimmte Kunden denken und diese zur Seite legen. „Was wir hier machen ist ein ganz direktes Tun“, erzählt er. Sie wissen ihre Kunden zu schätzen und verschenken jedes Jahr zu Weihnachten kleine Jahresbändchen. Darüber hinaus werden Akazien-Kunden einmal die Woche mit einem Newsletter, dem „literaturkurier“, versorgt. Der redaktionelle Teil mit dem Hinweis auf Neuerscheinungen und Literaturtipps in Funk und Fernsehen kommt vom Deutschlandfunk und KulturRadio, die persönlichen Empfehlungen erstellen die Buchhändler aus der Akazienbuchhandlung.

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Neben belletristischen Titeln gibt es auch eine gute Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern, Psychologie, Biographien, Politik, Zeitgeschehen, Philosophie, Hörbüchern, Reiseführern, Berlin-Titeln und Postkarten. Er zeigt mir beim Postkartenständer die zauberhaften Karten von der japanischen Künstlerin June Keser (www.humwithme.com) die mich sofort begeistern. Seit neuestem bietet die Buchhandlung auch das „Philosophie-Magazin“ an.
Ja, es gibt viel zu entdecken in diesem Fleckchen inmitten von Schöneberg. Ich erspähe u.a. ein Holzkästchen mit Heften, auf dem steht: „Friedenauer Presse“. Herbert Bahlinger sieht die Fragezeichen in meinen Augen auf und ab laufen. „Noch nie gehört?“ „Nein, ich muss passen.“ Dann erzählt er mir von der 80-jährigen Verlegerin, die mit großer Leidenschaft noch selbst publiziert. Bei solchen Geschichten wird mir automatisch ganz warm ums Herz. Welche Freude ist es zu hören, dass diese liebevoll gestalteten Heftchen hier ihre Liebhaber haben!

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Die Akazienbuchhandlung ist eine Buchhandlung mit Tradition und Liebe für das Besondere, die wirklich an alles denkt, selbst an durstige Kunden. Rechts vom Eingang steht ein Wasserspender, an dem man sich bedienen kann. Nach meinem Besuch lächle ich und bin froh, dass ich diesen Laden entdeckt habe und kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen. Gleich nebenan gibt es übrigens das Bilderbuchcafé, in dem alle bibliophilen Menschen einen wunderbaren Ort des Verweilens genießen können. Die Akazienstraße ist eben ein Fleckchen für Bücherfreunde, denen das Besondere am Herzen liegt.

(Bericht von Simone Finkenwirth, Buchhändlerin und Bloggerin auf Klappentexterin)

Akazienbuchhandlung
Akazienstraße 26
10823 Berlin

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