Grefrather Buchhandlung

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Seit zwanzig Jahren schon führt Karl Groß in der kleinen nordrhein-westfälischen Gemeinde Grefrath die Grefrather Buchhandlung. Etwa 9000 Seelen umfasst die Gemeinde, die, wie Herr Groß berichtet, zunächst ganz offensichtlich zu ihrem Glück gezwungen werden musste.

Unvergessen der Auftritt eines waschechten Grefrathers, der Bretter und Absperrbänder zur Seite wischte, um seine Neugier zu befriedigen und mich direkt ansprach:” Wat soll dat hier werden?” “Hier entsteht eine Buchhandlung”, entgegnete ich beiläufig ohne meine Arbeit zu unterbrechen. Pause. – “Hier liest Keiner!”  schoß es aus ihm heraus. Ende der Szene.

Auch am Tage der Eröffnung schlugen Karl Groß Ressentiments der Gemeinde entgegen. Man man es kaum glauben, dass eine Buchhandlung bei manchen Menschen solch Antipathie entfachen kann, doch Groß ließ sich davon nicht beirren. Dieser Hürdenlauf kam, wie er sagt, doch seinem Naturell des Einzelkämpfers entgegen. Und sein Erfolg nach zwanzig Jahren gibt ihm Recht. Viele Stammkunden, auch aus umliegenden Dörfern und Gemeinden, kommen gern zu Karl Groß nach Grefrath. Lesende Bevölkerung muss es also geben, die Grefrather haben sich mittlerweile mit ihrer Buchhandlung arrangiert, sie vielleicht sogar lieben und schätzen gelernt.

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Denn Karl Groß verkauft nicht nur leidenschaftlich Bücher, seine Buchhandlung wird auch alle sechs Wochen für “Kultur am Montag” zur Kleinkunstbühne umfunktioniert. Der Laden wird umgebaut und für Künstler aus Musik, Kabarett und Literatur geöffnet, die dort in angenehmer Atmosphäre ihr Können präsentieren. Dabei sind der Darbietung wenig stilistische Grenzen gesetzt und so entstehen in der Buchhandlung, die auf magische Weise eine ganz besondere Akustik zu haben scheint, die niemand sich erklären kann, ganz besondere Momente, die auch Karl Groß immer wieder auf’s Neue schätzt.

Die Abwechslung zwischen (manchmal) schnödem Alltagsbuchhändlern und den aufregenden Konzertvorbereitungen sind das Salz in unserer Suppe. Gemeinsam immer wieder mal “magische Momente” erleben zu dürfen, ist ein Lebenselixier für meine Partnerin und mich. Selbst wenn ich einen Laden für Autoreifen hätte, würde ich etwas erfinden,was den Laden inspiriert und auf Umwegen den Laden ins “Rollen” bringen würde. Ich schätze die Unabhängigkeit, die Kompromißlosigkeit und die notwendige Risikobereitschaft , die allein ein zufriedenes Arbeitsleben ermöglicht. Solange keiner mich zwingen kann, den neuesten Dan Brown auf die Theke zu legen, solange nicht nur von den Medien “ferngesteuerte” Kundenwünsche erfüllt werden müssen, solange werde ich den Job genüßlich ausführen.

Karl Groß’ Buchhandlung wirkt in vielerlei Hinsicht als kulturelles Transportmittel. Nicht nur im literarischen Bereich. Viele bedauern das “Einheitssortiment”, überall fände man dieselben Bücher, dafür müsse man keine Buchhandlung mehr besuchen, konnte man erst kürzlich in einem Kommentar zu Gesine von Prittwitz Buchhändler-Interviews lesen. Die Grefrather Buchhandlung ist ein unumstößlicher Beweis dafür, dass es zwar “Einheitssortimente” geben mag, keinesfalls aber “Einheitsbuchhandlungen”.

Grefrather Buchhandlung
Hohe Straße 25
47929 Grefrath

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